SCHEI** DICH NICHT AN!!!

Was du von der Klopapierkrise lernen kannst

Der menschliche Geist- unendliche Weiten! Wir schreiben das Jahr 2020. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Erde, das mit seiner über 8 Milliarden starken Besatzung unterwegs ist, um gemeinsame Abenteuer zu erleben.

Moment mal! Abenteuer? Naja, hm! Abenteuer schon, aber nur wenn sie schön sind. So richtig arge Abenteuer, wo uns was zustoßen könnte, wollen wir ja dann doch nicht! Eher so „softe“ Abenteuer. Alles sollte doch absehbar sein. Zuviel sollte sich nicht ändern. Wir brauchen immerhin weiter ein Dach über dem Kopf, was zu essen… und Klopapier. Auf jeden Fall Klopapier, denn wenn schon alles zum Schei**en ist, dann wollen wir zumindest unseren Allerwertesten sauber halten können. Hände waschen wollen wir uns auch können. Zumindest zwei gesungene Happy birthday- Songstrophen lang. Nicht, dass uns das jemals zuvor wirklich wichtig gewesen wäre, uns nach dem Toilettengang die Hände gründlich zu waschen! Jetzt hat sich die Lage drastisch verändert! Wir werden bedroht! Von etwas, das so klein ist, dass wir es nicht einmal mit freiem Auge sehen können.

Der Säbelzahntiger in Mini-Format. Eine Bedrohung, die uns Angst macht. Eine Bedrohung, die uns dazu veranlasst, Veränderungen ins Auge sehen zu müssen. Ob wir nun wollen, oder nicht! Eine Bedrohung, die uns daran erinnert, dass wir nicht unsterblich sind. Eine Bedrohung, die uns plötzlich unsere gewohnten Beschäftigungen im Außen entreißt und Ablenkungen auf ein Minimum reduziert! Eine Bedrohung, die scheinbar eine ganze Gesellschaft wie ein Tsunami erfasst! Eine Bedrohung, die uns vor Augen führt, dass Gesundheit ein wertvolles Gut ist! Eine Bedrohung, die uns plötzlich so Manches hinterfragen lässt. Eine Bedrohung, die uns vor Augen führt, wie wir mit dem Planeten Erde umgegangen sind, wie wir unsere Mitmenschen behandeln und vor allem auch, wie es um uns selbst steht! Eine Bedrohung, die erkennen lässt, dass es vorgegaukelte Sicherheit im Job nicht gibt.

Eine Bedrohung, die uns mancherorts zwingt, viele Tage mit Menschen auf engstem Raum zu verbringen, die man eigentlich lieben sollte. Die man vielleicht auch irgendwann einmal geliebt hat, doch seit Tagen, Wochen, Monaten oder vielleicht sogar Jahren mehr neben- als miteinander lebt. Das Interesse an der anderen Person gewichen. Verletzungen an der Tagesordnung. Dennoch haben wir nichts geändert an diesem Zustand! Warum?

Weil uns Veränderung Angst macht. Sie ist unberechenbar. Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube am Dach, heißt es so schön im Volksmunde. Würde ich daran etwas ändern, könnten andere Menschen vielleicht schlecht von mir denken. Es könnte sein, dass ich mein hart erarbeitetes Geld verliere oder zumindest einen Teil davon. Es könnte ja danach beziehungstechnisch nichts Besseres nachkommen. Lieber in einer „Happy fake family“, als alleine. Lieber sich selbst etwas reinlügen, als zu sich selbst zu stehen. Lieber Vorsicht walten lassen, als mutig zu sein. Lieber Misstrauen als Vertrauen.

Aber „Eines Tages , baby, werden wir alt sein, baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erleben können“. So sagt es die Poetry-Slammerin Julia Engelmann. Ich möchte ein paar weitere Textzeilen von ihr mit Dir teilen:

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.

Ich, ich bin der Meister der Streiche, wenn´s um Selbstbetrug geht.
Ich denke zu viel nach. Ich warte zu viel ab. Ich nehme mir zu viel vor – und ich mach davon zu wenig.

Ich halte mich zu oft zurück – ich zweifle alles an, ich wäre gerne klug, allein das ist ziemlich dämlich.

Ich würd gern so vieles sagen, aber bleibe meistens still,
weil, wenn ich das alles sagen würde, wär das viel zu viel

Und eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein,
und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können
und die Geschichten, die wir dann stattdessen erzählen werden,
traurige Konjunktive sein wie

„Ein mal bin ich fast einen Marathon gelaufen
und hätte fast die Buddenbrooks gelesen und einmal wäre ich beinah bis die Wolken wieder lila waren noch wach gewesen und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und gesehen, wir sind die Gleichen,
und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten.“

Und dass wir bloß faul und feige waren, das werden wir verschweigen, und uns heimlich wünschen, noch ein bisschen hier zu bleiben.

Wenn wir dann alt sind
und unsere Tage knapp,
und das wird sowieso passieren,
dann erst werden wir kapieren,
wir hatten nie was zu verlieren –
denn das Leben, das wir führen wollen,
das können wir selber wählen.

Also lass uns doch Geschichten schreiben,
die wir später gern erzählen.
Lass uns Nachts lange wach bleiben,
auf´s höchste Hausdach der Stadt steigen,
lachend und vom Takt frei die allertollsten Lieder singen.
Lass uns Feste wie Konfetti schmeißen,
sehen, wie sie zu Boden reisen
und die gefallenen Feste feiern,
bis die Wolken wieder lila sind.
Und lass mal an uns selber glauben,
ist mir egal, ob das verrückt ist,
und wer genau guckt, sieht,
dass Mut auch bloß ein Anagramm von Glück ist.
Und – wer immer wir auch waren –
lass mal werden wer wir sein wollen.
Wir haben schon viel zu lang gewartet,
lass mal Dopamin vergeuden.

„Der Sinn des Lebens ist leben“,
das hat schon Casper gesagt,
„let´s make the most of the night“,
das hat schon Kesha gesagt.
Lass uns möglichst viele Fehler machen,
und möglichst viel aus ihnen lernen.
Lass uns jetzt schon Gutes sähen,
dass wir später Gutes ernten.
Lass uns alles tun,
weil wir können – und nicht müssen.
Weil jetzt sind wir jung und lebendig,
und das soll ruhig jeder wissen,
und – unsere Zeit die geht vorbei.
Das wird sowieso passieren
und bis dahin sind wir frei
und es gibt nichts zu verlieren.

Lass uns uns mal demaskieren
und dann sehen, wir sind die Gleichen,
und dann können wir uns ruhig sagen,
dass wir uns viel bedeuten,
denn das Leben, das wir führen wollen,
das können wir selber wählen.

Also los, schreiben wir Geschichten,
die wir später gern erzählen. Denn eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein
und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind.

Sie trifft ins Schwarze. Ich beobachte Menschen, die diesen Worten lauschen, lachend und heftig nickend den Kopf zur Bestätigung auf und ab bewegen. Fallbeispiele Anderer danach in einer Diskussion bringen und dabei vergessen, dass, wenn man mit einem Finger auf jemand Anderen zeigt, zur gleichen Zeit drei Finger auf einen selbst zeigen. Gerne betrachten wir den Strohhalm im Auge des Anderen, damit wir uns dem Balken im eigenen Auge nicht widmen müssen. Dieser Balken nimmt uns soviel unserer eigenen Sicht, sodass wir ihn nicht einmal sehen können.

Warum nur kämpfen wir mit aller Kraft dagegen an, ohne die eigene rosarote Brille ungeschönt unser Leben und unsere Lebensweise zu betrachten?

Ist eine Ich-Bezogenheit wirklich eine Ich-Bezogenheit oder eher eine Du-Bezogenheit, weil wir hoffen im Außen zu finden, was wir in uns nicht finden können. Wir wollen im Außen beziehen. Wertschätzung, Liebe, Fürsorge, Ehrlichkeit,….

Gleichzeitig schätzen wir uns selbst nur eingeschränkt wert, lieben uns selbst in Maßen, sorgen selten für unsere Balance bei dem Versuch die scheinbar „richtigen“ Werte anzuhäufen und seien wir mal kurz ehrlich: In welchen Lebensbereichen bist du nicht immer ehrlich zu dir selbst? Was den Zustand deines Körpers angeht? Wie es in deinen Beziehungen aussieht? Bei der Auswahl deines beruflichen Wirkens? Oder in einem der anderen Bereiche, in denen es einfacher und angenehmer ist, die Augen nur ein klein wenig zu verschließen. Und ehe wir es merken, sind unsere Augen getrübt und die einstige Wahrheit verschwommen.

Wenn du als Kind von damals heute vor dir selbst als Erwachsener stehen würdest, was würdest du dir sagen? Was würdest du denken?

Wärst du schockiert darüber, wie du aussiehst? Vielleicht 30 Kilogramm Übergewicht als Folge der Auswirkungen einer sich selbst gefährdeten Wohlstandsgesellschaft.

Wärst du traurig darüber, dass du acht Stunden täglich mit Arbeiten verbringst, die dir nur begrenzt Spaß bringen. Arbeiten, die dir über die Jahre ungeheure Energie kosten und nur wenig Energie bringen. Arbeiten, in denen du deine Gaben und Talente bei Weitem nicht in dem Ausmaß leben kannst, wie du es dir als Kind vielleicht gewünscht hättest!

Könntest du verstehen, dass du dein Leben mit einem Partner verbringst, den du nicht mehr liebst, nur weil das viele so machen. Deinen Kindern vorlebend, dass es scheinbar wichtiger ist nebeneinander in unbefriedigenden Partnerschaften zu leben, als da draußen sein wahres Glück zu finden. Nicht eingestehend, dass sich Menschen ändern dürfen und dass Veränderungen manchmal auch magische Neuorientierungen hervorbringen dürfen. Auch wenn das Leben bei Veränderungen kurz auf den Kopf gestellt scheint. Wollen wir unseren Kindern Mut gepaart mit nährenden und fördernden Werten voller Respekt vor sich selbst schenken, oder selbstaufopfernde Werte? Selbstaufopferung wofür eigentlich? Für Status? Für Geld? Für Anerkennung im Außen? Für Bequemlichkeit? Wofür das Alles?

Lacht, tanzt und singt dein Herz jeden Tag mehrmals, oder schlägt die Schwerkraft in deinem Gesicht schonungslos zu mit der Konsequenz, dass deine Mundwinkel fast bis zum Boden reichen? Springst du morgens glücklich und motiviert aus dem Bett, wie damals, als du noch klein warst? Als du die Welt als großen Spielplatz empfunden hast! Oder hievst du deinen geschundenen Körper, geschundenen Geist oder was noch trauriger ist, deine geschunden Seele morgens aus dem Bett?

Die gute Nachricht ist: Du kannst in jeder Sekunde deines Lebens die Entscheidung treffen, etwas zu ändern!

Ist es einfach? Nein, natürlich nicht!

Kannst Du es schaffen? JA, ABSOLUT!

Natürlich kannst du es schaffen, für dich selbst einzustehen!

Wenn du denkst, es nicht alleine zu schaffen, nimm Hilfe in Anspruch. Es gibt so viele großartige Berater da draußen, die dich mit offenen Armen empfangen und Alles daran setzen, dir zu helfen! Du wirst ein Gefühl dafür haben, wer dir helfen kann. Dich wird es zu bestimmten Personen hinziehen.

Solltest du (noch) keine Hilfe in Anspruch nehmen wollen, so ist das auch vollkommen in Ordnung!

Egal ob du es mit oder ohne Hilfe angehst, ich habe einen großen Wunsch für DICH!

Was ich mir für dich wünsche ist, dass du eines Tages sagst:

DIESE KLOPAPIERKRISE WAR DAS BESTE, WAS MIR PASSIEREN KONNTE!“

Wenn du in einem Jahr zurückschaust, wirst du im besten Fall erkennen, warum es durchaus Sinn macht, manchmal dem Leben einfach zu vertrauen. Warum es Sinn macht, wenn sich „Krisen“ zeigen und warum es Sinn macht, Herausforderungen anzunehmen! Und warum es letztendlich Sinn macht mit jeder Zelle FÜR SICH einzustehen und ein lautes JA ZU SICH SELBST zu sagen.

Denn eines Tages, Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind

Alles Liebe Nicole

©Nicole Knappe (Gerne kannst du diesen Text mit Quellenangabe teilen)